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Geschichte

Eine Geschichte aus Děčín (Tetschen): Vom habgierigen Sigmund, der am Ende statt Geld nur die Mäuse im Kerker zählte

Wer das Schwert nimmt, wird durch das Schwert umkommen

Bereits als er das Licht der Welt erblickte, hielt sich sein Vater Johann an den Grundsatz, den er dann seinem Sohn ein ganzes Leben lang einprägte: Halte dich an die Mächtigen, schmeichle ihnen und es wird dir gut gehen. Der Sohn wurde nach dem Brötchengeber der Familie, dem Brandenburger Marktgrafen Sigmund benannt. „Ich schätze Euch sehr, mein Herr. Und deshalb trägt mein erstgeborener Sohn und Erbe Euren Namen, hoch geschätzter Markgraf,“ ließ Johann mit dem Adelsprädikat von Wartenberg kurz vor der Taufe gegenüber dem Mann verlauten, in dessen Diensten er stand.

Johann war seine gute Intuition sehr von Nutzen: Im denkwürdigen Jahr 1419, als sein Sohn Sigmund seinen dreißigsten Geburtstag feierte und sich somit im besten Alter befand, um seine Karriere aufzubauen, wurde der ältere Namensvetter des frischgebackenen Dreißigjährigen böhmischer König. Auch wenn er fünfzehn Jahre um seinen Thron mit den nichtkatholischen Hussiten kämpfen musste, die sich im Namen ihrer Glaubensüberzeugung einige erbitterte Schlachten mit dem Heer des frischgebackenen katholischen Königs lieferten.

Viele Jahre lang war das Glück abwechselnd sowohl dem königlichen und kaiserlichen Heer, dessen Rittern, die mit einem Kreuz auf den Rücken als Symbol kämpften und die das Volk „Kreuzritter“ nannte als auch den Hussiten, die im Wappen einen Kelch trugen, hold. Die königliche Schatzkammer ist zu Beginn der Kämpfe prall gefüllt und es lassen sich in ihr auch ein paar stattliche Schock Groschen für Sigmund von Wartenberg finden, der an der Seite seines starken königlichen Namensvetters kämpft. Dann aber näherte sich das feindliche, utraquistische Heer der Stadt Ústí nad Labem (Aussig), also der Schwelle zum nordböhmischen Herrschaftsgut, das den Wartenbergern gehört. Das Heer der feindlichen Hussiten sieht grimmig und unerschütterlich aus. Kurz vor der entscheidenden Schlacht wechselt Sigmund von Wartenberg auf ihre Seite über und tut, gemessen am weltlichen Erfolg, gut dabei: Er befindet sich nämlich wieder auf der Seite, die sich etwas besser steht, was sich durch den ruhmreichen Sieg des hussitischen Heeres in der großen Schlacht bei Ústi bestätigt. Sigmund schmeichelt sich bei seinen neuen Verbündeten in der Form ein, dass er seine alten Freunde, die Wohltäter des Königs, die von seinem Verrat nichts ahnen, auf seine Burg Blansko (Blankenstein) einlädt, die auf halbem Weg zwischen Ústi und dem nicht weit entfernten Děčín gelegen ist und die Sigmunds beliebteste Residenz ist. Und dort tötet er statt der Hühner für das Festessen die eigentlichen Gäste.

Berauscht von seinen Erfolgen, die weitergehen, egal, ob er für den König oder gegen ihn kämpft, vernichtet er in seinem Inneren die letzten Überreste von Demut, die er als eine der wenigen Dinge von seiner fürsorglichen und gefühlsvollen Mutter geerbt hat. „Ich habe mehr Erfolg als der König dieses Landes!“, rühmt sich der selbstsicher lächelnde Sigmund aus Děčín auf seiner Burg Blankenstein in diesen Jahren oft vor seinem Spiegelbild im glänzenden Spiegel gegenüber. In den nächsten Jahren vergisst der stolze Sigmund die ursprüngliche Frage der Konfession komplett und verbündet sich mit dem jeweils Stärkeren der Rivalen, ohne Rücksicht darauf, ob dieser sich zum Kreuz oder zum Kelch bekennt. Sein Vermögen vermehrt sich in diesen Zeiten beträchtlich.

Nur Hochmut kommt vor dem Fall. Und wer das Schwert nimmt, wird durch das Schwert umkommen. Die weniger erfolgreichen Landesherren begannen, Sigmund seine Erfolge unsäglich zu neiden. Und so ließen sie dem neuen König Albrecht die falsche Mär zukommen, dass der einflussreiche Sigmund eine gefährliche Verschwörung gegen ihn plant. König Albrecht zögerte nicht lange und ließ Sigmund ein paar Tage später in den Kerker werfen. Der stolze Herr Sigmund von Wartenberg, einst ein gefürchteter und sehr geschickter Drahtzieher, verhungerte schmählich einige Monate nach seiner Festnahme im Hungerturm der Burg in Jindřichův Hradec (Neuhaus).